Berichte - 18.02.26

Tabakindustrie und Schweizer Universitäten: ein besorgniserregender Einfluss

Unsere Recherche, die bei sämtlichen Schweizer Hochschulen durchgeführt wurde, zeigt ein besorgniserregendes Ergebnis: Mehr als die Hälfte der befragten Institutionen hat seit 2019 mindestens einmal mit der Tabakindustrie zusammengearbeitet.

Die Tabakindustrie verfügt über eine lange Geschichte der Einflussnahme auf die wissenschaftliche Forschung, mit dem Ziel, ihre kommerziellen Interessen durch Manipulation, Desinformation und die Infragestellung unabhängiger Studien zu schützen. In der Schweiz veranschaulichen emblematische Fälle diese Praktiken, insbesondere die Rylander-Affäre an der Universität Genf, bei der ein Professor über mehr als dreissig Jahre hinweg heimlich mit Philip Morris zusammenarbeitete, um die Risiken des Passivrauchens zu verharmlosen, oder die umstrittene Studie der Universität Zürich zur neutralen Verpackung, die vom selben Unternehmen finanziert wurde.

Strategischer Einfluss auf die akademische Forschung

Zusammenarbeiten zwischen der Tabakindustrie und Schweizer Universitäten sind nie neutral. Sie verleihen dieser Industrie eine wissenschaftliche Legitimität, die sie anschliessend nutzen kann, um:

  • ihr öffentliches Image zu verbessern, insbesondere gegenüber politischen Entscheidungsträgern und der breiten Öffentlichkeit;
  • Präventionsmaßnahmen zu schwächen, indem Debatten und Risikowahrnehmungen beeinflusst werden;
  • ihre „neuen Produkte“ wie E-Zigaretten oder Tabakerhitzer zu fördern, die als angeblich weniger schädliche Alternativen dargestellt werden.

Diese Strategie folgt einer bekannten Logik: Forschung und akademisches Prestige werden genutzt, um die öffentliche Diskussion zu lenken, Zweifel zu säen oder den Fokus der Debatte zu verschieben.

Ein besorgniserregender Mangel an Transparenz in schweizer Universitäten

Der durch diese Untersuchung aufgezeigte Mangel an Transparenz ist besonders alarmierend. Mehrere Hochschulen haben sich geweigert, relevante Dokumente weiterzugeben, was im Widerspruch zu den Öffentlichkeitsgesetzen steht. Diese Intransparenz zeugt von einer besorgniserregenden Kommerzialisierung öffentlich finanzierter Forschungseinrichtungen und untergräbt die Glaubwürdigkeit, Unabhängigkeit und Integrität der Wissenschaft.

Ranking: Wie transparent ist Ihre Universität?

Möchten Sie wissen, wie Ihre Universität in Bezug auf Transparenz und Verbindungen zur Tabakindustrie abschneidet? Konsultieren Sie hier unser Ranking der Schweizer Universitäten.

Call to action

Wenn Sie im Bereich Prävention tätig sind:

  • Kontaktieren Sie die Institutionen und politischen Verantwortlichen Ihres Kantons, um Ihre Bedenken hinsichtlich der Zusammenarbeit mit der Tabakindustrie zu äussern.
  • Fordern Sie klare Maßnahmen: Transparenz bei Partnerschaften, strenge Regeln und ein Ende jeglicher Kooperation mit der Tabakindustrie.
  • Stützen Sie sich auf dokumentierte Fakten zur Einflussnahme der Tabakindustrie und zu den gesundheitlichen Folgen des Tabakkonsums, um Ihre Argumente zu stärken und in Ihrem Netzwerk zu verbreiten.

Wenn Sie MitarbeiterInnnen oder StudentInnen einer Hochschule sind:

  • Setzen Sie sich intern (in Gremien, bei der Hochschulleitung, bei Studierendenvertretungen) für klare Regeln zu Kooperationen und Interessenkonflikten ein.
  • Starten Sie eine gemeinsame Erklärung oder eine Petition an die Hochschulleitung.
  • Wenn Sie Verbindungen zwischen Ihrer Hochschule und der Tabakindustrie kennen, bitten wir Sie, uns diese Informationen über unsere Kontaktkanäle sicher und vertraulich zu übermitteln.

Wenn Sie BürgerIn sind:

  • Fordern Sie Erklärungen und Transparenz von den betroffenen Institutionen.
  • Kontaktieren Sie Ihre politischen VertreterInnen und verlangen Sie strengere Regeln für die Zusammenarbeit zwischen der Tabakindustrie und Schweizer Hochschulen.
  • Unterstützen Sie zivilgesellschaftliche Organisationen und teilen Sie verlässliche Informationen über die Einflussstrategien der Tabakindustrie.

Link zur Recherche : https://transparencyandtruth.ch/de/ressource/tabakindustrie-schweizer-universitaten/